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Albanien: Eine Reise mit Vorurteilen

Ein Bericht der SY Pangäa

Nach drei Wochen unseres Sommertörn 2009 mit unserem Segelboot PANGÄA war Kroatien und Italien bereits längst im Kielwasser entschwunden und das Ziel Korfu bereits erreicht, als wir uns mit der Planung und Routenfestlegung für die Heimreise befassen mussten.

Entweder auf direktem Wege Richtung Nord nach Monte Negro und Kroatien zurück oder vorher noch einen Besuch nach Albanien abstatten.

Albanien zu bereisen ist heute fast noch immer so, als ob man Neuland betreten würde. Es gibt nur sehr wenige und spärliche Reiseberichte bzw. Reportagen.

Einen sehr ausführlichen und informativen Bericht hingegen hat Herr Erich Patsch (Yacht Info 4/2008, OCEAN7 und Internet) verfasst und uns damit letztlich Mut gemacht, das „Abenteuer Albanien“ zu wagen. Diesem Bericht ist auch nichts in seiner bisherigen Gültigkeit hinzuzufügen.

DSCN3469Wir schrieben Freitag, den 17. Juli 2009 und mit unserem Zeitlimit stand es leider nicht mehr zum besten, da wir unseren Freunden und mitsegelnden Kameraden Brigitte und Rudi das „Hammelfest“ in Slano/Kroatien, das alljährlich am 1. und 2. August stattfindet, nicht vorenthalten wollten. Trotzdem war da noch Albanien im Gespräch und so beschlossen wir, am nächsten Tag Sarande anzulaufen.DSCN3492

So lichteten wir unseren Anker in einer Bucht mit Sichtweite auf Korfus einziger Marina Gouvia. Nach zwei Stunden Flautenfahrt unter Maschine kam dann endlich eine brauchbare Brise auf, die uns Richtung der Hafenstadt Sarande segeln ließ.

DSCN3483Ein paar Seemeilen vor dem Hafen meldeten wir uns auf Kanal 11 und baten um Einreise. Sofort antwortete jemand, stellte sich vor, beschrieb die Hafensituation und geleitete uns schließlich zur Anlegestelle. Als markanter Ansteuerungspunkt dient immer noch ein gelbfarbener Ladekran vor der Zollmole. Dahinter winkte uns auch schon eine in weiß gekleidete Person zu und forderte uns auf, mit Buganker und Heckleinen festzumachen.

Sobald wir Albanischen Boden betreten hatten, stellte sich dieser Herr als „unser Agent“ vor und begrüßte uns sehr freundlich mit Handschlag und netten Worten. Diesem Mittelsmann zwischen uns und den Behörden übergaben wir die Bootspapiere und Reisepässe für die Einklarierung, aber gleichzeitig mit der Bitte, diese noch am selben Tag zurück zu erhalten.

DSCN3514Also warteten wir im Schatten des Polizeigebäudes, auf Stiegen sitzend und mit einem Engländer plaudernd, der ebenfalls zeitgleich mit uns Albanien erreicht hatte. Später kam dann noch ein Segelboot unter Französischer Flagge. Das waren für diesen Tag dann schon alle ausländischen Besucher.

Nach einer guten Stunde Warterei kam dann unser Agent und teilte uns mit, dass die Papiere erst am Abend fertig werden sollten, wir aber ohne Probleme in die Stadt gehen könnten. Wir drängten nochmals um Ausfertigung, da wir gegen Mitternacht losfahren wollten, um am nächsten Tag mit vernünftig großem  Spielraum die Marina Orikum in der weiten Bucht von Flores erreichen zu können. Das nächste Reiseziel angeben ist derzeit noch immer in Albanien Vorschrift und beeinträchtigt doch etwas unsere individuell gewohnte Lebensweise an Bord.DSCN3518

Ein Fußmarsch durch Sarande vermittelte uns ein vielschichtiges Bild: Straßen und Gehsteige in teilweise sehr schlechtem Zustand, überquellende Müllbehälter, wenige Geschäfte und Lokale, abenteuerlich verlegte Strom und Wasserleitungen an desolaten Hausfassaden, ab und zu moderne Architektur, freundliche Menschen und viele, viele Autos der Marke Mercedes. Nirgendwo haben wir günstiger gegessen als in Albanien.

DSCN3507Es war bereits Abend, als wir wieder zur von der Polizei streng bewachten Anlegestelle zurückkehrten. Der Agent brachte unsere Bootspapiere, Pässe und Crewliste zurück, verrechnete 50,- Euro (davon 35,- für die Behörden) und wünschte uns alles Gute für die Weiterfahrt. Kurz nach Mitternacht, nachdem wir etwas Schlaf gefunden hatten, lösten wir die Leinen, hoben den Anker und fuhren aus dem bewachten Hafen. Zwei Stunden später waren wir in dichtestem Nebel eingehüllt. Wir hatten genügend Abstand zum Festland und das Radargerät informierte uns über die für unser Auge unsichtbare Situation.

DSCN3522Am Vormittag kam dann endlich eine brauchbare Brise aus südlicher Richtung auf. Endlich wieder die Segel setzen zu können, nach vielen Stunden Fahrt unter Maschine, tut gut. Kurz vor dem Kap, das schließlich die große Bucht von Flores bildet, verstärkte sich der Wind und wir refften. Die Windzunahme erklärten wir uns mit dem Kapeffekt, was sich aber bald als Irrtum herausstellen sollte. In der Bucht wehte es mit über 40 Knoten und die Marina Orikum am gegenüberliegenden Ufer, mit der schmalen und seichten Einfahrt dürfte zu diesem Zeitpunkt unpassierbar gewesen sein. Trotzdem wollten wir uns die Situation aus der Nähe betrachten.

Mit Annäherung an die Küste und gleichzeitiger Entfernung vom Kap nahm auch bald der Wind ab und verebbte beinahe zur Gänze, als wir in der Marina Orikum festmachten (Anmeldung auf Kanal 15). Es waren nur wenige durchreisende Boote da und die Liegegebühr für unser Segelboot (11,5-12,0m) betrug 40,- EUR pro Nacht. Den Papierkram erledigte zur Gänze und zu unserer Verwunderung die Marinaverwaltung.

DSCN3491Eine Wanderung in das etwa einen Kilometer gelegene Städtchen Orikum offenbarte wieder einmal, dass Albanien das Armenhaus Europas ist. Schlechte Straßen und zum Teil unbefestigte Gehsteige bildeten neben den oft sehr desolaten Gebäudefassaden das Ortsbild. Besonders in Erinnerung geblieben sind die inmitten gelegenen und im Ortsteil verstreuten Weideflächen für Schafe, Ziegen und Kühe. In einigen Läden kauften wir Brot und sonstige dringend benötigte Lebensmittel. Und wieder einmal lernten wir die Freundlichkeit und Offenheit der dort lebenden Bevölkerung schätzen.

Am dritten Tag gegen Mittag setzten wir unsere Reise fort mit Ziel Monte Negro. Albanien hingegen haben wir in bester Erinnerung behalten und in unseren zukünftigen Reiseplänen wird dieses Land wieder einmal Ziel sein, das wir ansteuern werden.

 

   
   
   

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