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Kap Hoorn

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KAP HOORN
Puerto Williams – Kap Hoorn – Puerto Williams 13. – 20.02.2003

Der Weg zum wohl berühmtesten Kap der ErdeMit auffrischendem Westwind im Rücken segeln wir 25sm quer über den Beagle Kanal nach Puerto Williams auf der chilenischen Insel Navarino. Melden unsere Ankunft über UKW und kaum an der alten „Micalvi“ festgemacht, kommen auch schon die Behörden, um uns ordnungsgemäß einzuklarieren.

Die „Micalvi“, ein gestrandetes, deutsches Munitionsschiff beherbergt den südlichsten Yachtclub der Welt, an dem längsseits im Päckchen buntes Yachtvolk aus aller Herren Länder liegt.Am Abend trifft man sich auf ein Glaserl Pisco Sour in der gemütlichen Bar mit Kaminfeuer im Bauch des schräg liegenden Wracks. Diese Schräglage erschwert auch die Körperpflege in der finsteren, grindigen Dusche im Gang nebenan.

Die gute Wetterlage nützend holen wir unser „Zarpe“ (Fahrgenehmigung) von der Armada und legen am nächsten Morgen bereits Richtung Kap Hoorn ab. Knapp 30 sm sind es bis Puerto Toro, der „südlichsten Ansiedlung“ der Welt.

weiter nach SüdenVertäuen unsere NOMAD mit allen verfügbaren Fendern plus Fenderbrett (alter Gangwaypfosten) am Stahlrohrgerüst des halb vermoderten Anlegers. In den Wellblechhäusern am Hügel leben nur wenige Familien, es gibt eine Schule, eine Polizeistation und eine kleine Kapelle.

Puerto Williams

Schieben hier einen Pausetag ein, da es draußen mit 40kn fegt.

Der Strand ist voll mit riesigen Miesmuscheln und Napfschnecken, die aber wegen „marea roja“ -einer Art Rotalgenverseuchung - hoch giftig, sprich tödlich sind. Leider sind alle Küsten Patagoniens seit über 10 Jahren davon betroffen.

Bei Flaute tuckern wir über die gefürchtete Bahia Nassau zu den Wollaston Inseln gen Süden und ankern am Abend nach 55sm in der gut geschützten Caleta Maxwell. geschafft!Das Wetterfax sieht entmutigend aus, dennoch starten wir am verregneten Morgen hinaus in den südlichen Ozean. 15sm vor uns liegt es nun, das legendäre Kap Hoorn, dieses steinerne Symbol so vieler Seefahrermythen. Das Wetter hält und wir haben Glück, zu Mittag runden wir die berüchtigte Südspitze Amerikas. Ein Traum ist heute in Erfüllung gegangen und ein schwieriger Meilenstein unserer Reise erreicht. Auch Gerald freut sich über seine dritte Fahrt um den berühmten Kap Hoorn Felsen. Glücklich ankern wir in der Caleta Martial und begießen dieses Ereignis mit einer Flasche Sekt.Glücklich am Ziel

Tags darauf machen wir uns auf den Weg Richtung Norden, als plötzlich Sonnenstrahlen durch den grau verhangenen Himmel dringen. Wir geben uns einen Ruck, wenden, nehmen die Schoten dicht und segeln noch einmal zurück – zum Hoorn.

Auf 20m Wassertiefe fällt unser Anker im Lee der Hoorn Insel. Mit dem Dingy überschlagen wir uns fast in der schäumenden Brandung und steigen „waschlnaß“ die steilen Stufen zur Kap Hoorn Station hinauf. Besuchen Hector und Ingrid, die hier ein Jahr lang ihren einsamen Dienst versehen und lassen unser Logbuch stempeln. Stiefeln zur kleinen Kapelle, zum Leuchtturm und zum Denkmal, ein Wahnsinnsgefühl hier oben zu stehen!

Das Lich am Ende der Welt

Mit 30kn aus Südwest rumpeln wir über die holprige Bahia Nassau zurück in den Beagle Kanal nach Puerto Williams. Unter der prasselnd heißen Dusche der „Micalvi“ schweifen unsere Gedanken noch immer ums Kap. Haben wir es nun wirklich umsegelt, bezwungen? Nun ja, sicher nicht im klassischen Sinn wie es die alten Rahsegler vor hunderten Jahren machten. Wir wollten einfach diesen großartig historischen und geographischen Platz besuchen. Respektvoll haben wir uns herangetastet und wurden kurz von dieser übermächtig starken Natur geduldet. Dankbar und demütig fühlen wir uns, dass wir diese für uns besonderen Momente erleben durften.

Puerto Williams – Ushuaia – Puerto Williams / 21.02. – 11.03.2003

Obwohl „Nachbarstädte“ gibt es zwischen dem chilenischen Puerto Williams und dem „schräg vis-à-vis liegenden“ argentinischen Ushuaia keine Verkehrsverbindungen. Deshalb nehmen wir drei französische Rucksackreisende mit an Bord, als wir am 21. Februar nochmals nach Ushuaia segeln, um „Nomad“ für den langen Weg durch die patagonischen Kanäle Richtung Norden fit zu machen. Der Einfachheit halber legen wir uns wieder zum Steg des Yachtclub AFASYN gegenüber der Stadt. Pro Tag bezahlen wir hier U$ 6,--. Einige Male fegt es mit über 50kn, die Yachten schieben Lage am Steg, Fender werden völlig plattgedrückt,. Gut, dass wir zwei Autoreifen mit dabei haben, ohne Felgen natürlich!

kräftiger Wind

In den nächsten Tagen sind wir voll beschäftigt: Organisieren zusätzlich acht Stück Dieselkanister, somit führen wir nun außer den lächerlichen 180 Litern im Dieseltank 370 Liter in Kanistern mit, insgesamt also 550 Liter Treibstoff, das sollte für ca. acht Tage Motorbetrieb bzw. knappe 1.000sm Reichweite langen. Unser kleiner Refleks-Dieselofen arbeitet sehr ökonomisch, bei ständigem Heizen benötigen wir ca. 20 Liter in der Woche. Weiters durchforsten wir die Supermärkte Anonima und Norte und verstauen etliche Taxiladungen Verpflegung für die nächsten Monate an Bord. Zur Isolierung werden Salon und Kojen mit einem hässlich provisorischen Teppich ausgelegt, damit wir nicht unter kalten Füßen leiden, denn die Wassertemperatur beträgt hier 8º C im Sommer. Im WC-Raum fixieren wir einen Duschvorhang an der Decke, als Brausetasse fungiert eine alte Plastikwanne, da wir keinen fixen Abfluss installieren wollen. Montieren eine alte Kunststoffseilrolle für unsere 100m Schwimmleine am Mastkorb, die leider nur eine Woche „Hafenbetrieb“ überlebt. Die Chartergäste der an uns längsseits liegenden „Tari II“ brechen die Seilrolle beim ständigen „übers-Deck-Latschen“ in Stücke.

An einem strahlend feuerländischen Spätsommertag unternehmen wir mit Ken von der amerikanischen „Pelagic“ (die erste Motoryacht übrigens, die um Kap Hoorn fuhr) eine Bergtour zum Martial-Gletscher. Da wir „Deppen“ Steigeisen und Pickel am Schiff lassen, bleibt uns der Gipfelsieg versagt, denn das Eis hat nur eine dünne Schneeauflage und ohne Ausrüstung erscheint uns der weitere Aufstieg zu riskant. Bereits seit Tagen werkelt Ken, ein passionierter Mechaniker, selbstlos an „Comodo`s“ Maschine, leider ist noch kein Ende abzusehen. Hier in Ushuaia verabschieden wir uns von „Pelagic“ und „Comodo“ sowie von unserem Freund Gerald, der „Heimweh“ nach seiner Freundin in Buenos Aires hat.

Am 02. März segeln wir vor bis zu 50kn Wind zurück nach Puerto Williams, um wieder in Chile einzukarieren und das Zarpe für die Weiterreise zu beantragen. Gerade noch rechtzeitig kommen wir zur sonntäglichen Grillparty am Heck der „Micalvi“. Buntes Yachtvolk hat sich versammelt, von einigen Segler, die sich schon seit Jahren in dieser Gegend aufhalten, bekommen wir viele Ezzes für den nächsten Reiseabschnitt. Unter diesen riesigen, robusten Stahl- und Aluminiumyachten, die teilweise extra für die hohen Breiten gebaut wurden, zählt unsere „Nomad“ zu den kleineren Schiffen. Eines Tages macht die stäbige „Santa Maria“, gerade aus der Antarktis kommend, längsseits bei uns fest. Freudiges Wiedersehen mit Wolf Kloss, den wir das letzte Mal vor acht Jahren in der Karibik getroffen haben. Am Abend sitzen wir vorm warmen Ofen im Haus von Wolf und Jeannette und erzählen alte Geschichten. Die beiden leben mit ihren zwei Kindern seit einigen Jahren in Puerto Williams, betreiben ein Gästehaus und die Firma „Sea, Ice and Mountain“ – Abenteuerreisen mit der „Santa Maria“.

   
   
   
   

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